Die Micheko Galerie wird an der Art Fair Collect teilnehmen, die vom 26. Februar bis 2. März stattfindet. Diese Messe, die normalerweise jährlich in London stattfindet, wird vom Craft Council organisiert und findet seit 2004 einmal im Jahr statt. Als Kunstmesse hat die Collect einen kleinen Umfang. Was diese Messe jedoch berühmt und einzigartig macht, ist, dass sie Kunstwerke zeigt, die aus exquisiter Handwerkskunst und einer noch nie dagewesenen Verschmelzung von Kunst, Handwerk und Design resultieren. Die diesjährige Messe findet online statt, was aber nicht die Möglichkeit schmälert, Objekte zu entdecken, die zum Besten gehören, was zeitgenössische Kunsthandwerker schaffen können.

Die Messe wird ab dem 26. Februar einen Monat lang auf ARTSY zu sehen sein.

 

Nun, da ich das aus dem Weg geräumt habe, möchte ich heute über Kunstmessen sprechen. Wenn Sie das Wort „Kunstmesse“ hören, woran denken Sie dann zuerst? Ist es ein Ort mit einer einzigartigen Atmosphäre oder ist es die Art Basel, wo sich Unmengen von Geld und Menschen bewegen?
Lassen Sie uns zunächst einmal zu den Grundlagen dessen zurückkehren, was eine Kunstmesse ist. Kunstmessen sind Orte, an denen Kunstgalerien zusammenkommen, um die Kunst von Künstlern, die sie vertreten, auszustellen und an ein großes Publikum zu verkaufen, das die Galeristen einzeln nicht erreichen könnten.

Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, sind Kunstmessen Orte für Künstlerinnen und Künstler, um ihre Werke und ihre Namen bekannt zu machen, für Kunstsammelnde und Galerien, um sich über Kunsttrends zu informieren, und für die breite Öffentlichkeit, um Kunstwerke auf eine intimere und zugänglichere Art zu betrachten als in Museen.

Wenn es um die Mutter aller Kunstmessen geht, würde wohl jeder mit Art Basel antworten. Seit ihren Anfängen im Jahr 1970 hat sich die Messe in Bezug auf Größe und Besucherzahlen zu einem monumentalen Kunstmessekonglomerat mit den Schwestermessen Art Basel Miami Beach und Art Basel Hongkong entwickelt. Die Art Basel bietet Platz für etwa 300 Galerien und erzielt bei jeder Ausgabe einen Umsatz von Hunderten von Millionen US-Dollar.

Wenn Sie auf der Art Basel ausstellen möchten, müssen Sie ein strenges Screening-Verfahren unter verschiedenen Gesichtspunkten durchlaufen, wie z.B. wie lange Sie schon im Geschäft sind, wie bekannt Ihre Künstler sind, etc. Wenn Sie das Screening durch ein Auswahlkomitee bestehen, müssen Sie eine Standgebühr bezahlen, die leicht einen höheren sechsstelligen Betrag in US-Dollar erreichen kann. Sie sehen, einen Stand auf der Art Basel zu haben, bedeutet, den Olymp der Galerien erreicht zu haben. Manche Sammler kaufen Kunst nur, wenn sie auf einer der Art Basel-Messen ausgestellt wird.

 

 

Die Art Basel ist ein erstaunlich geschlossener Ort. Es ist eine Welt, der nur Galerien mit Geld und hohem Bekanntheitsgrad beitreten können, und die Messeveranstalter zielen nur auf VIPs als Kundschaft ab. Die allgemeine Öffentlichkeit zahlt einen hohen Eintrittspreis, um hereinzukommen und finanziell unerschwingliche Kunst zu sehen. Dafür darf man sich dann vom Standpersonal erst mal von oben bis unten scannen lassen, bevor es entscheidet, ob man es wert ist, angesprochen zu werden.

Neben diesen berühmten Kunstmessen gibt es auch kleinere, attraktivere, mehr lokal orientierte Messen. Eine solche Messe ist die Positions und seine Schwesterveranstaltung, die Paper Positions), an der die Micheko Galerie oft als Aussteller teilnimmt. Die Messe startete 2014 in Berlin und hat seit 2017 eine Münchner Ausgabe. 2018 kam Basel hinzu und 2019 Frankfurt.

Auf einer kolossalen Messe wie der Art Basel ist man so beschäftigt, dass man am Ende des Tages gar nicht mehr weiß, wo man welche Arbeiten gesehen hat. Auf einer kleineren Messe hingegen kann man zweimal um die Messestände gehen und hat immer noch genug Energie. An einem familiäreren Ort wie auf der Positions kann man seine Neuentdeckungen von der Nähe anschauen und zu erschwinglichen Preisen erwerben. Die kleinere Größe ist einer der Vorteile einer Community-basierten Kunstmesse.

Im Jahr 2000 gab es weltweit etwa 55 Kunstmessen, aber bis 2018 stieg die Zahl auf etwa 260. Diese Zunahme an Messen mag ein Hinweis dafür sein, dass der Kunstmarkt boomt, aber es wird gesagt, dass Sammler immer weniger dieser vielen Kunstmessen besuchen.
Der Grund dafür ist das „Kunstmesse-Burnout-Syndrom“. Zu viele Kunstmessen finden irgendwo auf der Welt statt, und um die berühmten Messen herum werden zusätzliche Satellitenmessen eingerichtet. Jeder will bei diesem Kunstzirkus mitmachen. Als globaler Trend besuchen die Sammler auch seltener  Galerien, was bedeutet, dass diese immer abhängiger von den Verkäufen auf Messen werden. Es ist ein Teufelskreis.

Die Kunstwelt ist bisher nur langsam online gegangen, aber diese Pandemie scheint den Trend endlich zu beschleunigen. Alle Mega-Galerien haben professionelles Personal eingestellt und ihre eigenen Online-Viewing-Rooms eröffnet. Gagosian, die weltweit größte kommerzielle Kunstgalerie, eröffnete einen Online-Ansichtsraum und bot zehn Tage lang testweise Werke von zehn Künstlern zum Verkauf an. Fünf der Werke, deren Preise zwischen 150.000 $ und 1,1 Millionen $ lagen, wurden erfolgreich verkauft. Außerdem gab das Unternehmen bekannt, dass es 537 neue Sammler hinzugewonnen hatte.

Ich frage mich, ob diese Mega-Galerien die Kunstmessen aufgeben oder zumindest ihre Teilnahme reduzieren werden, so wie es die Sammler zu tun scheinen, und ihre Ressourcen in den Online-Verkauf umlenken. Die Welt befindet sich seit der Pandemie in einem drastischen Wandel, und auch die Kunstwelt wurde von dieser Welle hart getroffen und wird sich sehr verändern.

Welchen Weg werden die so groß gewordenen Kunstmessen in Zukunft einschlagen? Der Kunstmessemarkt, der wie ein Monster gewachsen ist, scheint an einem kritischen Punkt in seiner Entwicklung zu stehen. Es gibt einige in der Kunstbranche, die sagen, dass nichts mehr so sein wird, wie es einmal war. Wenn selbst die Art Basel nicht unverwundbar ist gegen die Auswirkungen von Schließungen und unbefristeten Verschiebungen, wie werden es dann die kleineren Messen schaffen? Werden die Besucher zurückkommen und das Eintauchen in die Menge von Kunstinteressierten suchen? Oder finden sie Gefallen an der sozialen Distanz und am Online-Stöbern nach Kunst auf den vielen Plattformen, die es mittlerweile im Internet gibt? Ich frage mich, wo die Galerien bleiben werden in dieser Entwicklung. Welche aktive Rolle können sie in einer Welt spielen, die ohne das persönliche Engagement der Galeristinnen und Galeristen und die tiefergehenden Gespräche über Kunst glücklich zu sein scheint?