Sakura

“Nutzloses Wissen” über Sakura und Hanami

Wussten Sie, dass der Brauch des Hanami, des Kirschblüten betrachtens, in Japan sehr wahrscheinlich schon auf die Nara-Periode (710-794) zurückgeht und von der chinesischen Tang-Dynastie übernommen wurde, in der die Blüte der Pflaumenbäume zelebriert wurde. Natürlich wurde das Kirschblüten-Fest anfangs nur am kaiserlichen Hof gefeiert. Erst als die Samurai unter den Shogunaten (1192-1867) die Tradition übernahmen, wurde Hanami auch in der normalen Bevölkerung populär.

“Kagirohi” – S/W-Fotografien von Toshio Enomoto

Der Fotograf Toshio Enomoto zeigt in seinen Bildern die japanische Seele. Der 1947 in Tokio geborene Toshio Enomoto steht ganz in der Tradition der japanischen Nachkriegsfotografie mit seinen prominenten Vertretern wie Shomei Tomatsu oder Imei Suda, um hier nur zwei der ganz großen japanischen Fotografen zu nennen. Hier ausführlich über Enomotos bisheriges Werk zu schreiben, würde den Rahmen dieses Eintrags sprengen, deshalb möchten wir uns auf die Essenz seiner Bildsprache konzentrieren. Gerade in den Sakura-Motiven seiner Serie “Kagirohi”, was sich grob mit “Licht kurz vor dem Sonnenaufgang” übersetzen lässt, zeigt sich der Gegensatz in der Sichtweise japanischer und westlicher Betrachter. Unser westliches Auge deutet die Kirschblüte als Zeichen der Neugeburt, des Aufwachens der Natur nach einem langen Winter. Wir erfreuen uns am Aufblühen der Kirschbäume und der restlichen Pflanzenwelt und wünschen uns einen möglichst langen, warmen und sonnigen Frühling. Japaner hingegen zelebrieren mit dem “Hanami”, dem Betrachten des Fallens der Kirschblüten, die Vergänglichkeit, die Schönheit der weiß bis zartrosa schimmernden Blütenblätter im Fall. Neuanfang gegen Vergänglichkeit, zwei Sichtweisen desselben Naturschauspiels.

SAKURA – Fotografische Nah-Paradies-Erfahrungen

Unsere erste thematische Ausstellung widmen wir Sakura, der japanischen Kirschblüte. Es gibt wohl nur noch wenige andere Begriffe, welche die Seele Japans treffender symbolisieren. Die japanische Kirschblüte repräsentiert Schönheit, Neuanfang und Vergänglichkeit zusammengefasst in einem kurzen, jedoch von intensiven Momenten melancholischen Glücks geprägten Zeitabschnitts. Die warme Jahreszeit beginnt und die Japaner feiern unter den japanischen Zierkirschbäumen ihre Picknicks mit Freunden, Familie oder Arbeitskollegen. Gemeinsam genießen sie bei viel Bier, Sake und kleinen Snacks die Kirschblüte. Wir haben eine kleine aber feine Auswahl von Sakura-Fotografien ausgewählt von Fotografen wie Muga Miyahara, Satomi Shirai, Ryo Ohwada, Toshio Enomoto, Yumiko Kinoshita. Besonders freuen wir uns, auch einen von uns sehr verehrten deutschen Fotokünstler mit einem Motiv dabei zu haben: Robert Voit. Micheko beginnt damit, auch westliche Künstler zu zeigen, die sich intensiv mit Japan oder Asien generell künstlerisch auseinandergesetzt haben.

Einführung zur Ausstellung “Die Welt dahinter” von Muga Miyahara

Eine Frau. Schlafend. Träumend? Fische. Viele Fische. Immer mehr Fische. Nass, kalt, glatt. Gefühle des  Ekels und Schauderns? Eine Frau. Schlafend. Alpträumend? „Als Kind“, schreibt Muga Miyahara, „hasste ich es Fisch zu essen. Aber mein Vater bestand darauf und sagte immer wieder: ‚Iss Fisch! Iss Fisch!’ Das bereitete mir große seelische Qualen…“ Diese Kindheitserinnerung war die Inspiration für „A Memory of a Fish is there…“ einen der bekanntesten Bildzyklen des Künstlers. In immer neuen Variationen zeigt er eine junge nackte Frau und Fische und setzt sich auf diese Weise mit dem Trauma seiner Jugend auseinander. Der Betrachter mag die Gefühle des Ekels teilen, die Miyahara mit Fischen verbindet oder er mag die Fotografien auf seine Weise deuten. Surreal und verstörend wirken die Szenen auf jeden Fall.

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