Autorenschmuck von Akiko Kurihara und faltbare Skulpturen von Go Segawa bei Micheko

Parallel zur Internationalen Handwerksmesse (IHM) finden in München alljährlich die Schmuck-Tage statt. Vom 6. bis 12. März trifft sich wieder die internationale Autorenschmuck-Szene bei uns an der Isar. Bei rund 85 registrierten Events kommen Künstler, Sammler, Galeristen, Studenten und Professoren von Schmuckkunst-Klassen aus der ganzen Welt zusammen und machen sich ein Bild von den neuesten Arbeiten der besten Schmuckkünstler.

In den vergangenen beiden Jahren stellte Micheko seine Räume Schmuckkünstlerinnen für eine Woche zur Verfügung und verband somit den Autorenschmuck mit anderen Medien, wie zum Beispiel Fotografie oder Holzschnitte. Dieses Jahr erweitern wir den Zeitraum und freuen uns, für Akiko Kurihara, die schon 2011 und 2012 bei Micheko ihre Schmuckkonzepte gezeigt hatte, eine längere Ausstellung in Kooperation mit dem Bildhauer Go Segawa auszurichten.

Der anfangs etwas seltsam klingende Titel der Ausstellung „WAS IT A CAT I SAW?“, einem englischen Palindrom, passt zu den Arbeiten von Akiko Kurihara und Go Segawa recht gut. Dieses Palindrom steht stellvertretend für die vermeintlichen Illusionen, die unseren Sinnen gelegentlich Streiche spielen.

Die dreidimensionalen Arbeiten von Go Segawa setzen sich aus Kunststoff-Folien zusammen. Auf eine Folie wird eine Farbe aufgetragen, oder eine Linie gezeichnet als zweidimensionale Welt, aber wenn die Folien zusammengesetzt werden, erscheint vor uns die dreidimensionale Realität der Skulpturen des Künstlers. Aber ist seine Arbeit wirklich dreidimensional, oder waren wir nur nicht aufmerksam genug? In seinen Arbeiten zeigt der Künstler die Verbindungen zwischen der zwei- und dreidimensionalen Welt.

Eine der neuen Schmuckarbeiten von Akiko Kurihara, „human chain“, hinterfragt ganz nebenbei zwischenmenschliche Beziehungen. Auf den ersten Blick denkt man bei dieser Arbeit an eine Dornenkette, dabei sind es Arme und Beine von kleinen Menschenfigürchen. Vielleicht sollten wir uns doch nicht zu viel Nähe zu anderen Menschen wünschen? Ist unser Bedürfnis nach Wärme und Geborgenheit nur eine Illusion?

Akiko Kuriharas Konzept hinter ihren neueren Schmuck-Arbeiten basiert auf mathematischen Wahrheiten. Eine ihrer neuen Halsketten visualisiert im genauen Maßstab die Distanz zwischen Erde und Mond und zeigt gleichzeitig das Verhältnis des jeweiligen Volumens von Erde und Mond. Die Schönheit der mathematischen Exaktheit lässt sich auch in der Schmuckkunst zeitlos schön zeigen.

Die so unterschiedlichen und doch verwandten Arbeiten von Akiko Kurihara und Go Segawa ergänzen sich sehr gut in einer gemeinsamen Ausstellung. Akiko Kuriharas Arbeiten sind mehr als nur Schmuck. Ihr Konzept, das stets hinter ihren Arbeiten steht, ähnelt dem japanischen Haiku, einer sehr alten Kurzgedichtform, die auch heute noch sehr populär ist. Trotzdem hat ihr Schmuck eine Tiefe und Zeitlosigkeit, das ihn zu tragbarer Kunst macht, gleichberechtigt mit allen anderen Kunstformen, die in der heutigen Kunstwelt eine Rolle spielen.

Go Segawa geht mit seinen faltbaren Skulpturen den entgegengesetzten Weg. Aus üblicherweise „schwerer“ Kunst macht er spielerisch leichte Skulpturen, die in einen Umschlag gesteckt und überall hin mitgenommen werden kann. Auch seine Kunst ist tragbar. Vielleicht nicht als Kette oder als Ring, aber als immer präsente Skulptur, die immer dann aufgestellt werden kann, wo man sich gerade aufhält. Lassen Sie sich von diesen neuen Spielformen der Kunst überraschen und bezaubern.

über Akiko Kurihara

Geboren 1975 in Sapporo, Japan, graduierte sie 2010 bei Prof. Otto Künzli an der Münchner Akademie der bildenden Künste. Ihre Karriere als Schmuckkünstlerin umfasst in der Zwischenzeit 15 Jahre, in denen Akiko Kuriharavielfältige Arbeiten aus den verschiedensten Materialien geschaffen hat. Es fällt auf, dass der Schmuck von Akiko Kurihara stets ein Augenzwinkern und Lächeln beim Betrachter auslöst. Kuriharas Humor materialisiert sich in ihren Schmuckarbeiten. Die Trägerinnen und Träger ihres Schmucks kommunizieren stets, dass man sich selbst nie zu ernst nehmen sollte. Über ihre Arbeit sagt Kurihara: „Ich erwarte mir, dass ich durch meinen Humor, den ich in jede meiner Schmuckarbeiten stecke, eine ganz persönliche Verbindung mit der Trägerin oder dem Träger eingehe, und mittelbar auch mit den Menschen, die diesen Schmuck sehen.“

über Go Segawa

Geboren 1970 in Saitama, Japan. Seit ca. 12 Jahren lebt und arbeitet der Bildhauer in der Nähe von Paris. Seit einigen Jahren widmet er sich kleinen Skulpturen aus Kunststofffolien. Aus dem ursprünglichen Original, das er mit Acrylfarben bemalt oder auf das er Schichten gescannter Objekte aufträgt, schafft er kleinformatige Editionen, die zusammengeklappt und in einen speziell dafür angefertigten Umschlag überall mitgenommen werden können. Sozusagen Kunst zum mitnehmen.