“Kagirohi” – S/W-Fotografien von Toshio Enomoto

Der Fotograf Toshio Enomoto zeigt in seinen Bildern die japanische Seele. Der 1947 in Tokio geborene Toshio Enomoto steht ganz in der Tradition der japanischen Nachkriegsfotografie mit seinen prominenten Vertretern wie Shomei Tomatsu oder Imei Suda, um hier nur zwei der ganz großen japanischen Fotografen zu nennen. Hier ausführlich über Enomotos bisheriges Werk zu schreiben, würde den Rahmen dieses Eintrags sprengen, deshalb möchten wir uns auf die Essenz seiner Bildsprache konzentrieren. Gerade in den Sakura-Motiven seiner Serie “Kagirohi”, was sich grob mit “Licht kurz vor dem Sonnenaufgang” übersetzen lässt, zeigt sich der Gegensatz in der Sichtweise japanischer und westlicher Betrachter. Unser westliches Auge deutet die Kirschblüte als Zeichen der Neugeburt, des Aufwachens der Natur nach einem langen Winter. Wir erfreuen uns am Aufblühen der Kirschbäume und der restlichen Pflanzenwelt und wünschen uns einen möglichst langen, warmen und sonnigen Frühling. Japaner hingegen zelebrieren mit dem “Hanami”, dem Betrachten des Fallens der Kirschblüten, die Vergänglichkeit, die Schönheit der weiß bis zartrosa schimmernden Blütenblätter im Fall. Neuanfang gegen Vergänglichkeit, zwei Sichtweisen desselben Naturschauspiels.