Katsumi Hayakawa, Jahrgang 1970, konstruiert dreidimensionale Welten aus Papier. Seine Arbeiten sind abstrahierte Abbildungen unserer ent-individualisierten Metropolen, in denen wir auf engsten Raum unserem Tun nachgehen und Beziehungen nicht zustande kommen. Die Gebäude unserer Städte sind die Behälter und Kulissen der “Abwesenheit der Existenz, der Abwesenheit des Nichts und der Abwesenheit der Abwesenheit der Abwesenheit”.

Blue Lines, Katsumi Hayakawa, 2011

Blue Lines, Katsumi Hayakawa, 2011

Hayakawas Arbeiten können interpretiert werden als urbane Landschaften oder auch als die integrierten Schaltkreise von Mikrochips. Es sind die beiden Enden desselben mensch-gemachten Universums, die sich dem Betrachter erschließen. Der Kontrast zwischen dem Realen und dem Virtuellen, der simulierten Wirklichkeit.

Es steckt viel vom buddhistischen Konzept, dass alles im Universum miteinander verbunden ist, in den Arbeiten von Katsumi Hayakawa. Aber man muss kein Buddhist sein, um diese Werke verstehen und schätzen zu können. Sie erschliessen sich durch ihre universelle Mitteilungkraft.

Hayakawa wurde bekannt durch seine geometrischen Malereien, die er “virtuelle Abstraktionen” nannte. Aber er war unzufrieden mit dem Medium, welches ihm nicht ausreichte, seine Konzepte künstlerisch umzusetzen. Deshalb widmete er sich der Skulptur als Medium für seine jüngeren Arbeiten. Er verwendet Papier-Kuben oder Würfel, die er auf Aquarellpapier anbringt. Diese Arbeiten scheinen zufällig arrangiert und doch erinnern sie uns, wie schon erwähnt, an Landschaften, Schaltkreise oder Labyrinthe und lassen den Betrachter trotzdem im Zweifel, ob er das, was er sieht, auch das repräsentiert, was er zu denken glaubt. Hayakawa schafft es damit, uns auch auf die Informationsflut hinzuweisen, die uns schon lange überrollt hat.