Zeitgenössische Holzschnitte von Takehiro Nikai, Chika Osaka, Sho Tanaka, Jun Yoshida und Katsutoshi Yuasa.

Eröffnung: 9. Juni 2016, 18 bis 21 Uhr
Dauer der Ausstellung: 10. Juni bis 23. Juli 2016

Die Geschichte des japanischen Holzschnitts reicht zurück ins 8. Jahrhundert n. Chr. Einige hundert Jahre lang wurden nur religiöse Darstellungen angefertigt und gedruckt, da das Druckmonopol bei den Shinto- und buddhistischen Klöstern lag. Erste kommerzielle Verlage entstanden um 1600 in Kyoto und in folgenden Jahrzehnten in Osaka und Edo (dem heutigen Tokio). Damit verbreitete sich rasch in allen Bevölkerungsschichten Japans eine Unterhaltungsliteratur mit einem hohen Anteil an Illustrationen. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstanden die ersten Einzeldrucke, zuerst in Schwarz-Weiß, bald danach ein- oder zweifarbig, ab 1740 dreifarbig und ab ca. 1765 endlich auch vielfarbig. Bis nach dem Ende der Edo-Zeit (ca. 1865) wurden mehrere Millionen Farbholzschnitte gedruckt und bildeten somit die populärste Kunstform in Japan, die heute noch in der Schule im Kunstunterricht gelehrt und stets weiter gepflegt und technisch weiterentwickelt wird. Trotzdem gibt es nur noch eine überschaubare Zahl an zeitgenössischen Künstlern, die sich dem Holzschnitt vollständig widmen.

Wir freuen uns, in unserer Gruppenausstellung „Carving the Floating World“, eine Auswahl neuerer Holzschnitt-Arbeiten junger japanischer Künstler vorzustellen, die diese jahrhundertealte Kunstform ins 21. Jahrhundert bringen.

Takehiro NIKAI (geb. 1980 in Nagoya) verwendet die Ende des 18. Jahrhunderts in England entwickelte Holzstichtechnik. Seine Arbeiten strahlen etwas Beunruhigendes aus. Man kann als Betrachter fühlen, dass es in seinen Bilderwelten keine Töne gibt. Trotzdem vernimmt man ein lautes Rauschen in der Stille seiner Bilder.

Chika OSAKA (geb. 1984 in Tokio), die einzige Frau in dieser Ausstellung, ist wahrscheinlich Japans beste Lithographiekünstlerin. Seit einiger Zeit widmet sie sich auch dem traditionellen Farbholzschnitt und belebt ihn mit farbenprächtigen, humorvollen Arbeiten.

SHO TANAKA (geb. 1988 in Gifu), bezeichnet sich selbst als Holzkünstler, da er sich vollständig diesem Werkstoff verschrieben hat. Szenen aus dem Alltag und der Natur sind seine Hauptthemen. Der Künstler fertigt täglich einen Holzschnitt an und führt somit eine Art visuelles Tagebuch.

Jun YOSHIDA (geb. 1982 in Tokio) wurde in traditioneller japanischer Malerei (Nihonga) ausgebildet. Er individualisiert seine Holzschnittdrucke mit Blattgold oder Collagen.

Katsutoshi YUASA (geb. 1978 in Tokio) basiert seine Holzschnitte auf digitale Fotografien, die er zuerst anfertigt. Licht und Schatten in diesen Fotografien gehen fließend ineinander über. Durch die Anfertigung einer Holzschnittvorlage zerlegt er seine Bilder wieder in ihre „digitalen“ Bestandteile.