The Platinum Prints – Japanische Fotoimpressionen

The Platinum Prints – Japanische Fotoimpressionen

Toshio Enomoto ist den Sammlern und den Besuchern von Micheko kein Unbekannter. Seine Ausstellung „Kagirohi” im April 2012 zog besonders viele Besucher an und gewann dem Künstler eine neue Fangemeinde in Deutschland und darüber hinaus.

Enomoto war seitdem nicht untätig, er fotografierte weiter seine Leidenschaft, die japanische Kirschblüte in ihrer beispiellosen Vielfalt an Farben und Formen, beendete eine Fotoserie, die ihn über mehrere Jahre hinweg beschäftigt hatte und nicht zuletzt begab er sich auf eine Reise in die Vergangenheit der Fotografie. Er entdeckte das aufwändige Entwicklungsverfahren der Platinum-Handabzüge für sich neu.

Platinum Abzüge unterscheiden sich von anderen Schwarz-Weiß-Abzügen durch ihre Altersbeständigkeit, die auf mehrere Hundert Jahre geschätzt wird. Die Platinum-Abzüge verlieren nicht an Intensität und werden auch nicht das Einwirken von Licht beschädigt. Jeder Platinum-Abzug ist ein Unikat, auch wenn mehrere Handabzüge von demselben Negativ angefertigt werden. Jeder Abzug hat seine ganz individuellen Feinheiten. Die Tonalität der Grauabstufungen ist wesentlich reicher an Details als in einem herkömmlichen Silbergelatine-Abzug. Das Verfahren wurde im 19. Jahrhundert entwickelt und war lange Zeit das bevorzugte Entwicklungsverfahren der Fotografen der Zeit. Da Platin aber sehr teuer und nicht leicht zu beschaffen war, sowie das Verfahren selbst zeitaufwändig war, kam man bald davon ab und wendete sich anderen, billigeren und schnelleren Entwicklungsverfahren zu. In den 70iger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde das Verfahren von berühmten Fotokünstlern wie Horst P. Horst, Irving Penn und später auch Herb Ritts wiederentdeckt.

Die Digitalisierung der Fotografie in den letzten zwanzig Jahren hat die Wertschätzung für dauerhafte, handgefertigte Fotoabzüge in Museumsqualität besonders bei jüngeren Künstlern wieder aufkommen lassen, die sich oft autodidaktisch diese Fähigkeit der Entwicklung aneignen.

Micheko zeigte in der Vergangenheit öfters Fotografien von japanischen Künstlern, die im Platin-Verfahren angefertigt wurden. Auf die Arbeiten von Toshio Enomoto sind wir besonders stolz, da wir bei der Auswahl der Motive direkt beteiligt waren und über zwei Jahre hinweg mit dem Künstler eng in Kontakt standen, um diese Ausstellung auf die Beine zu stellen.

Das Hauptthema der Ausstellung ist Sakura, die Zeit der japanischen Kirschblüte, mit all den Emotionen, die diese Zeit im Jahr in der japanischen Bevölkerung auslöst.

Gerade in den Sakura-Motiven von Enomoto Serie »Kagirohi«, was sich grob mit »Licht kurz vor dem Sonnenaufgang« übersetzen lässt, zeigt sich der Gegensatz in der Sichtweise japanischer und westlicher Betrachter. Unser westliches Auge deutet die Kirschblüte als Zeichen der Neugeburt, des Aufwachens der Natur nach einem langen Winter. Wir erfreuen uns am Aufblühen der Kirschbäume und der restlichen Pflanzenwelt und wünschen uns einen möglichst langen, warmen und sonnigen Frühling. Japaner hingegen zelebrieren mit dem »Hanami«, dem Betrachten des Fallens der Kirschblüten, die Vergänglichkeit, die Schönheit der weiß bis zartrosa schimmernden Blütenblätter im Fall. Neuanfang gegen Vergänglichkeit, zwei Sichtweisen desselben Naturschauspiels.

Toshio Enomoto arbeitet an seinen Sakura-Motiven von Ende Februar bis Ende Mai. Er bereist die japanischen Hauptinseln von Okinawa bis hoch in den Norden nach Hokkaido. Während des Jahres recherchiert er die bedeutendsten Sakura-Bäume des Landes, die ungewöhnlichsten Standorte und alles, was an einem Sakurabaum so besonders ist, dass es sich lohnt, dafür weit zu reisen für das eine, ganz besondere Motiv. Enomoto spricht von einem emotionalen Zustand, der darüber entscheidet, ob ein Motiv gelingt oder nicht. Es ist beim fotografieren eines Sakura-Motivs nicht nur der „entscheidende Augenblick”, der zählt, sondern die Emotionen des Fotografen. Falls er beim Anblick des Motivs, des Umfeldes, des vorherrschenden Lichts zu aufgeregt wird, dann gelingt das Bild nicht. Es gibt nur ein einziges Auslösen der Mittelformatkamera, die Enomoto schon seit vielen Jahren verwendet. Erst in der Dunkelkammer, zurück in seinem Studio in Tokio, erfährt der Künstler, ob es ihm gelang, seine Emotionen unter Kontrolle zu halten, um das Motiv in all seinen Details und in all seiner Schönheit festzuhalten. Ansonsten fährt er im darauffolgenden Jahr wieder hin, um sein Glück von Neuem zu versuchen. In der Hoffnung das perfekte Motiv im perfekten emotionalen Zustand fotografieren zu können.

Eröffnung am 11. Mai 2017 von 18 bis 21 Uhr. Der Künstler wird anwesend sein.
Dauer der Ausstellung: 12. Mai bis 24. Juni 2017

2017-09-15T10:49:30+00:00