“Kagirohi” – S/W-Fotografien von Toshio Enomoto, 13. April – 15. Juni 2012

Der Fotograf Toshio Enomoto zeigt in seinen Bildern die japanische Seele

ENOMOTO-Kagirohi
Der 1947 in Tokio geborene Toshio Enomoto steht ganz in der Tradition der japanischen Nachkriegsfotografie mit seinen prominenten Vertretern wie Shomei Tomatsu oder Imei Suda, um hier nur zwei der ganz großen japanischen Fotografen zu nennen. Hier ausführlich über Enomotos bisheriges Werk zu schreiben, würde den Rahmen dieses Eintrags sprengen, deshalb möchten wir uns auf die Essenz seiner Bildsprache konzentrieren. Gerade in den Sakura-Motiven seiner Serie “Kagirohi”, was sich grob mit “Licht kurz vor dem Sonnenaufgang” übersetzen lässt, zeigt sich der Gegensatz in der Sichtweise japanischer und westlicher Betrachter. Unser westliches Auge deutet die Kirschblüte als Zeichen der Neugeburt, des Aufwachens der Natur nach einem langen Winter. Wir erfreuen uns am Aufblühen der Kirschbäume und der restlichen Pflanzenwelt und wünschen uns einen möglichst langen, warmen und sonnigen Frühling. Japaner hingegen zelebrieren mit dem “Hanami”, dem Betrachten des Fallens der Kirschblüten, die Vergänglichkeit, die Schönheit der weiß bis zartrosa schimmernden Blütenblätter im Fall. Neuanfang gegen Vergänglichkeit, zwei Sichtweisen desselben Naturschauspiels.

Trotz der vermeintlich opulenten Bildmotive reduziert Enomoto in seinen Fotografien den Blick auf das Wesentliche. Wie in allen japanischen Kunstformen zeigt sich auch in der Fotografie das Prinzip “Perfektion durch Reduktion”. Auch seine Bilder aus der Welt der Maikos und Geishas in Kyoto scheinen uns vertraut zu sein. Wir sehen oberflächlich die Klischee-Motive, die uns spontan zu Japan einfallen würden, wenn uns jemand danach fragen würde. Bei näherem Betrachten aber wird uns bewusst, dass wir nicht unsere Klischees zu sehen bekommen, sondern tiefe Einblicke in die japanische Seele, wie sie nur von einem japanischen Fotografen festgehalten werden können und die uns westliche Betrachter so schwer zugänglich ist.

Enomotos Arbeiten sind in Europa schon in den Niederlanden in einer Einzelausstellung gezeigt worden. Bei Micheko zeigten wir 2011 einige Fotografien im Rahmen unserer Themenausstellung “Sakura”.

Toshio Enomoto sagt über sein langjähriges Projekt:

“Wenn über den Bergrücken von Higashiyama der erste schwache Schimmer der Morgenröte langsam hinüber scheint, ist Kyoto noch vom Nebel bedeckt. Es scheint, als ob dünnflüssige Tinte in der bewegungslosen Luft schweben würde.

Wenn der Fluß Kamo, der durch Kyoto fließt, sich morgens durch das erste Morgenlicht zu färben beginnt und die Ziegeldächer der zahlreichen Tempel entlang des Higashiyama vom Sonnenaufgang hell bestrahlt werden, erwacht Kyoto aus seinem Schlaf.

Zu dieser Zeit stehe ich schon am Kagami-Ike Teich vor Kinkakuji, wo ich die goldfarbene Existenz des Morgenlichts empfangen kann.

Mich interessiert schon immer, wie das Licht am Morgen der Existenz der Welt seine Umrisse schenkt und sie abends wieder weg nimmt. Es sind die Strahlen der Sonne, die bestimmen, welche Existenzen gezeigt werden und wie wir Menschen leben. Dieses Phänomen möchte ich immer mit meinen eigenen Augen verfolgen.”

Die SUNDAY NIKKEI schreibt über das Buch “Kagirohi”:

“Fallende Kirschblüten im Yoyogi Park , Kinkakuji vor Tagesanbruch, Tayu (so wurden die höchstrangigen Kurtisanen in der Edo-Zeit genannt. A.d.Ü.), die, wie in vergangenen Zeiten, im Kimono zu Fuß durch Kyoto gehen. Dieses Buch zeigt vordergründig verschiedene typisch japanische Motive, aber es ruft beim Betrachter auch einen intensiven, jedoch gleichzeitig auch sehr beruhigenden Duft ins Gedächtnis. Dieser Duft birgt eine bestimmte Andeutung des Todes in sich, der untergehenden Welt, die trotzdem immer noch viel Kraft besitzt und tief im Schatten weiterhin existiert.

Die Bilder in diesem Buch sind nicht ausschließlich ästhetischer Natur, sondern zeigen, wie sich unsere japanische Seele manifestiert und was wir, die Japaner von heute, nicht vergessen dürfen.

Ich würde so gerne tiefer in den Raum hinein sehen können, der im Dunklen liegt, der nicht auf den Fotografien gezeigt wird, als in den, der durch das Licht zur Gestaltung der Fotografie freigelegt wurde.”

“KAGIROHI”

NIGHT ART 2012

Micheko Galerie freut sich, dieses Jahr zum ersten Mal als neues Mitglied der Initiative Münchner Galerien zeitgenössischer Kunst an der NIGHT ART 2012 teilzunehmen.

Diesen außergewöhnlichen Tag, der ja schon um 11 Uhr vormittags beginnt und keineswegs Kunst nur in der Nacht präsentiert, feiern wir mit zwei besonderen Events:

von 12 bis 18 Uhr führt Keiko Tanaka interessierte Besucher in MONKIRIGATA, dem japanischen Scherenschnitt ein. Dabei werden bezaubernde Muster angefertigt, die sehr vielfältig eingesetzt werden können und sicher viel Eindruck machen. Leider ist das noch nichts für kleine Kinder. Teilnehmen kann man ab 15 Jahre.

von 19 bis 20 Uhr reißen dann Trommlerinnen der Gruppe TAMPOPO die Besucher mit ihren teils sehr archaischen beats mit. Diesen Klängen wird man schwer widerstehen können, da kommt Bewegung in die Galerie.

Den angemessenen Rahmen dazu geben die S/W-Fotografien von TOSHIO ENOMOTO. Wir zeigen eine Auswahl aus seinem Bildband „Kagirohi“.

 

Fotobuch von Toshio Enomoto

Die zeitgenössische japanische Fotografie hat in den letzten Jahrzehnten eine ganze Reihe an Fotobüchern hervorgebracht, die inzwischen bei Sammlern Höchstpreise erzielen. Fotobücher sind in Japan sehr populär und können gelegentlich Auflagen erreichen, von denen so mancher Romanautor nur träumen kann.

Nobuyoshi Araki hat am Anfang seiner Karriere Abzüge seiner Fotos auf der Straße verkauft und seine ersten Fotobücher im Selbstverlag herausgebracht. Rinko Kawauchi, eine der derzeit populärsten japanischen Fotokünstlerinnen, wurde 2001 über Nacht berühmt, als sie gleich drei Bildbände gleichzeitig veröffentlichte.

Bildbände japanischer Fotografen, insbesondere aus den 60er und 70er Jahren, kosten heute mehrere Tausend Euro.

Toshio Enomoto, Jahrgang 1947, hatte sein Deutschlanddebüt bei unserer SAKURA-Ausstellung im vergangenen März. Seine schwarz-weiß-Fotografien sind in den Sammlungen verschiedener Museen und viele seiner Editionen sind schon vergriffen oder kurz davor.

Wir haben von seinem Buch “Kagirohi” (2008) noch einige Exemplare übrig. Das Buch zeigt einen Querschnitt seiner Arbeiten aus den 70er, 80er und 90iger Jahren, von denen wir einige Fotografien im Depot haben. Für 70 Euro ist das Buch bei uns noch zu haben. Einige Antiquariate handeln es schon wesentlich höher.

Sichern Sie sich Ihr Exemplar und bestellen Sie unter der 089-38 16 93 88 oder unter contact AT micheko.com.

Besuchen Sie auch Toshio Enomotos website, um mehr über seine Arbeiten zu erfahren.

KAGIROHI by Toshio Enomoto

KAGIROHI (2008)